Per Feldbahn in den Wasgau

Eine Verlängerung ins Sauertal war schon öfter angedacht worden. Dies scheiterte aber immer am schwierigen, steilen Gelände und somit an den Kosten.
Ausgerechnet der erste Weltkrieg hat die Situation zugunsten einer Bahnlinie verschoben, wenn auch unter anderen Prämissen. Nach dem verlorenen Krieg wurde ein französisches Militärlager bei Ludwigswinkel (noch auf deutschem Gebiet) errichtet. Das Lager trägt in historischen Quellen und Postkarten den Namen „Camp de Ludwigswinkel“. Für den Bau des Lagers und die anschließenden Transporte wurde eine Bahnlinie benötigt. Ursprünglich gab es auch Pläne, diese Bahn als normalspurige Nebenbahn zu bauen.
Aus Kosten- und Zeitgründen wurde sie aber letztendlich als Feldbahn mit 600 mm Spurweite ausgeführt. Hierbei konnte auf Material und Arbeitsmethoden der sogenannten Heeresfeldbahnen zurückgegriffen werden, da diese nach dem Ersten Weltkrieg in großer Zahl zur Verfügung standen. 1922 wurde die Bahnstrecke zunächst nur für den nichtöffentlichen Verkehr zum Lager eröffnet. 1924/25 wurde die Bahn für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Dazu wurden die für den öffentlichen Betrieb gedachten Bahnhöfe und Haltepunkte neu errichtet. Die Forderung der Bevölkerung eines Bahnanschlusses hatte sich also endlich erfüllt. In Bundenthal bestand Anschluss an die Züge der Reichsbahn; der Fahrplan der Schmalspurbahn wurde auf diese hin ausgelegt, wie unten erkennbar ist.
Das Ende war schnell besiegelt…
Im Jahr 1930 zogen sich die Franzosen aus dem Rheinland zurück und gaben damit auch das Lager in Ludwigswinkel auf. Es war nicht möglich, einen neuen Betreiber für die Bahn zu finden, der sie auf eigene Kosten weiter betreiben wollte. Daher wurde die Bahnstrecke kurz darauf, am 01.11.1930, weniger als zehn Jahre nach der Eröffnung, stillgelegt und kurz darauf abgebaut. Der Verbleib des Materials ist nicht vollständig geklärt. Die Strecke war aber noch bis in die 1940er-Jahre hinein auf manchen Karten verzeichnet, obwohl sie wohl schon längst abgebaut war.
Während der Betriebszeit gab es sogar Bestrebungen die Schmalspurstrecke bis nach Pirmasens zu verlängern, doch auch diese Pläne waren selbstverständlich mit der Stilllegung dahin. Das Sauertal hat damit den Bahnanschluss nur nach knapp 6 Jahren ziviler Nutzung wieder verloren.
Fahrzeuge der Wasgenwaldbahn
Auf der Strecke kamen vor allem ehemaliges Heeresfeldbahn-Rollmaterial zum Einsatz. Dazu gehören natürlich die in großer Stückzahl gebauten markanten HFB-Brigadeloks, aber auch die vorher als Truppen- oder Materialtransportwagen eingesetzten Brigadewagen und Personenwagen. Daneben wurden wohl noch zwei Dreikuppler und ein „Salonwagen“ beschafft. Die Quellenlage ist leider äußerst dünn und leider oft auch widersprüchlich, daher sind die genauen Typangaben nicht bekannt.

Streckenverlauf – Spurensuche heute
Der Streckenverlauf ist an einigen Stellen auch heute noch nachvollziehbar, an anderen aber überbaut bzw. die Spuren sind verwischt. Nur noch auf historischen Karten kann der gesamte Streckenverlauf nachvollzogen werden, auch wenn mir keine Karten aus der Zeit bekannt sind: Die Bahndämme haben oft noch bis zum starken Wachstum der Ortschaften überlebt.
Der folgende Plan stellt daher nur eine grobe Rekonstruktion dar, mittlerweile habe ich aber genauere Daten, die ich demnächst hier veröffentlichen werde.

Wenn man sich heute auf die Suche begibt und sich anstrengt, kann aber immer noch viele Spuren der ehemaligen Bahnlinie finden:

Die Strecke begann westlich des Bahnhofes Bundenthal der Wieslauterbahn. Im Betriebsmittelpunkt und Endpunkt Bundenthal Kleinbahnhof waren unter anderem der Lokschuppen mit der Werkstatt (heute noch vorhanden) und ein Empfangsgebäude vorhanden. Hier wurden Güter auf die Wieslauterbahn umgeladen; für die beförderten Personen bestand hier der Anschluss an die Züge der Reichsbahn.
Nach 1,8 Kilometern folgt der Bahnhof Rumbach. Die Trasse des Radweges zwischen Bundenthal und Rumbach entspricht dabei teilweise der ehemaligen Bahntrasse. Das ehemalige Stationsgebäude befindet sich in der Straße „In den Heuwiesen“, in der Straßenlage verlief auch die Strecke. Nach der Ortsdurchfahrt verläuft der Radweg wieder nahezu vollständig auf der ehemaligen Trasse – bis kurz vor den Bahnhof Wasserscheide.
Nach dem Verlassen des Bahnhofes Rumbach beginnt eine steigungsreicher Streckenabschnitt. Im Vergleich zur Straße fährt die Bahnlinie hier ein Seitental – das „Brauntal“ aus. In diesem Seitental befand sich auch der Haltepunkt Nothweiler am Streckenkilometer 3,5. Der Haltepunkt lag weit außerhalb des Namensgebenden Ortes. Der Wirtschaftsweg verläuft ab der Abzweigung von der Straße bis zum Talübergang nicht direkt auf der Bahntrasse, diese lag einige Meter hangaufwärts. Spätestens an der Brücke ist erkennbar, wo.
Kurz nach dem Haltepunkt Nothweiler schwenkt die Strecke nach rechts und quert das Tal mit einer Brücke und einem Damm. Die Widerlager und der Damm sind heute noch gut zu erkennen. Diese, jetzt dem Haltepunkt gegenüber liegende Hangseite musste durch eine Betonkonstruktion- und mauern gesichert werden, die heute immer noch vorhanden aber auf Grund des Bewuchses kaum noch sichtbar ist. Nach dem Überqueren der Straße wurde der Bahnhof Wasserscheide (Kilometer 4,5) erreicht. Ab hier verlässt die Strecke den Radweg. Einige Waldwege folgen aber stellenweise noch der Trasse.
Die Strecke verlief anschließend etwa 150m von der Straße entfernt parallel im Wald und stößt erst am Königsbruch wieder auf die Straße. Hier befand sich auch etwa der Bahnhof Schönau-Brettelhof am Kilometer 7,2. Der Bahnhof lag im Wald und war ebenfalls weit von der namensgebenden Gemeinde entfernt.
Die Trasse folgte nun rechts der Straße und querte diese, wenn die Straße nach rechts in ein Seitental schwenkt. Diese Abkürzung des Straßenverlaufs ist bis heute an einigen Bäumen vor allem auf Luftbildern zu erkennen. Am heutigen Biosphärenhaus liegt die Wappenschmiede. Der gleichnamige Haltepunkt befand sich aber noch auf der talseitigen Straßenseite.
Der Streckenverlauf in der Ortslage Fischbach ist heute größtenteils überbaut. Die heutigen Straßenzüge folgen nicht vollständig der Bahntrasse, geben aber einen guten Eindruck: Querung der Hauptstraße, dann auf einem Feldweg zur Fliederstraße. Weiter auf Daniel-Theyson-Straße, St.-Ulrich-Straße, Wasigensteinstraße, Blumensteinstraße. Am Streckenkilometer 10,2 lag hier der Haltepunkt Fischbach Ort (Kilometer 10,2). Der Straßenname „Am Bahndamm“ zeugt immer noch von der Wasgenwaldbahn.
Nach weiteren 600 Metern wird der am Ortsrand gelegene Kreuzungsbahnhof Fischbach Güterbahnhof erreicht. Auch bis hier ist der Streckenverlauf überbaut. Die Bahntrasse kürzt hier im Vergleich zur Straße ab, der Schwenk zum Saarbacherhammer/Mühlweiher folgt sie nicht sondern verläuft gerade durch den Wald. Der am Kilometer 12,0 liegende Haltepunkt Saarbacherhammer besaß ein Anschlussgleis zu einem Sägewerk und liegt im Wald. An der Straßenkreuzung trifft die Strecke wieder auf den Straßenverlauf. Den heute hier befindlichen Weiher gab es damals noch nicht.
Nach einem weiteren Kilometer wird der Haltepunkt Reisslerhof (der namensgebende Hof liegt noch mal etwa zwei Kilometer weiter die Straße hinab) und schließlich am Streckenkilometer 13,7 der letzte zivile Halt, Ludwigswinkel Ort, erreicht. Dieser lag auch außerhalb des Ortes, wenn auch näher als so manch anderer Haltepunkt der Strecke… Heute wäre er am Nordrand des Ortes.

Am Kilometer 14,5 liegt der Endpunkt der Bahn, der Lagerbahnhof Ludwigswinkel. Hier befindet sich ebenfalls ein Lokschuppen, der auch heute noch existiert und heute zum Unterstellen von landwirtschaftlichen Fahrzeugen dient. Neben dem Lagerbahnhof existierten im Lager zu unterschiedlichen Zeitpunkten variierende weitere Gleisanlagen: Erst ein umfangreiches und nur temporär errichtetes Baugleisnetz zum Bau des Lagers selbst, und dann noch ein südlicher Streckenast zur Versorgung der Lagereinrichtungen. Auch weitere Gebäude des Lagers haben die Zeiten überdauert und stehen noch heute.
Quellen:
- Fritz Engbarth: 100 Jahre Eisenbahnen im Wieslautertal. 2011 (Online, abgerufen am 20.05.2017).
- Gerhard Oldenburg: Wasgenwaldbahn. In: Wolf-Dieter Machel (Hrsg.): Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland (einst & jetzt) (von Rügen bis Rosenheim, von Aachen bis Zwickau). GeraNova Zeitschriftenverlag.
- private Sammlung historischer Gleispläne, Postkarten und Karten.










